28.02.2013

zuletzt gelesen...

... meinen sohn bekommt ihr nie - flucht aus dem gelobten land von isabelle neulinger.





mein verrückter kerl hat mir dieses buch geschenkt. es handelt von einer europäischen jüdin, die nach israel auswandert, sich dort verliebt, ihren mann an eine ultraorthodoxe bewegung verliert, schliesslich mit ihrem sohn flüchtet und dann jahrelang um ihn kämpft...
ich habe es innert stunden gelesen. es ist flüssig geschrieben und teilweise so witzig, dass ich mir fast in die hosen gemacht und dabei tränen gelacht habe. irgendwann kippt die stimmung und es wird ernst, todernst. dabei musste ich unweigerlich dauernd an den film nicht ohne meine tochter denken, den ich als teeny mal gesehen habe.

neulinger beschreibt israel und seine einwohner wirklich gut, wenn auch aus sicht einer "fremden" und manchmal sehr, sehr überspitzt. das muss so sein und führte - wie bereits erwähnt - beim lesen ja auch dazu, dass ich ein dauerlächeln im gesicht hatte und meinem verrückten kerl immer wieder vorlesen musste.
am ende konzentriert sie sich aber, nach ihrer geschichte irgendwie nachvollziehbar, vor allem auf das negative, bzw. warnt davor, dass es immer mehr solcher fälle gibt/geben könnte und beschreibt, dass israelische frauen vor dem gesetz nach wie vor sehr schlecht dastehen. ich sehe das nicht so dramatisch wie sie es beschreibt und kenne zahlreiche andere beispiele. auch sind einige ihrer aussagen und schlussfolgerungen meines erachtens fehl am platz, so z.b. dass ultraorthodoxe keine frauen wollen, die hohe religiöse posten besetzen - das ist kein speziell israelisches/jüdisches problem, sondern ein "weltliches", bzw. allgemeines. oder dass es männer gibt, die im gebet als erstes dafür danken, dass gott sie nicht als frau erschaffen hat - dass es solche männer gibt, heisst nicht, dass alle ultraorthodoxe so denken, es heisst nur, dass einige unter ihnen fanatisch und nicht bei klarem verstand scheinen. wieder kein jüdisches, sondern ein weltliches problem. und so weiter...

was ihr widerfahren ist, wünsche ich niemandem, aber es entspricht meines erachtens eher einer ausnahme und keineswegs der regel. dass ihr mann respektlos wurde, hat nicht viel mit religion, jedoch einiges mit charakter zu tun - es gibt sehr wohl religiöse männer, die ihre frauen achten; ich bin sogar überzeugt davon, dass es die mehrheit ist. ausserdem ist es per se sinnlos alle ultraorthodoxen in den selben topf zu werfen, da es auch da dermassen viele unterschiede gibt und ultraorthodox nicht gleich ultraorthodox ist, wie auch jüdisch nicht einfach gleich jüdisch ist - dazwischen gibt es mindestens tausend facetten, von einem extrem zum anderen (wie in jeder anderen religion auch).

und heute ein zitat aus dem buch, bei welchem ich vor lachen geweint habe, vermutlich gerade weil ich weiss, dass sie hier vollkommen recht hat:

"neben acamol, dem in israel hergestellten paracetamol, ist die redewendung 'ihye beseder' ('das wird schon') die am häufigsten gebrauchte medizin, die wirksamste waffe in jeder lebenslage, selbst in der aussichtslosesten. du findest keine arbeit? das wird schon. man hat dich bestohlen? das wird schon. saddam hussein plant einen raketenangriff? das wird schon..."

herzlich re

Kommentare:

  1. Klingt sehr interessant! Vor allem wenn es "lustig" ist. Ich setze es mal auf meine Liste. "Nicht ohne meine Tochter" hat mich damals ganz schön mitgenommen und im Bekanntenkreis hatten wir leide auch schon eine unschöne Geschichte, die mit stark verletzten, männlichen, muslimischen Gefühlen zusammenhängt...

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    1. ich fand es wirklich spannend und den ersten teil sehr amüsant! aber eben - die stimmung kippt... herzlich re

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  2. Interessant, vor allem weil ich eine Bekannte, eine frühere Freundin, habe die nach Israel ausgewandert ist und anscheinend einen orthodoxen Juden geheiratet hat. Mindestens hat sie sich eine Glatze rasiert und lebt nach irgendwelchen strengen Regeln. Hat mir ihre Schwester erzählt, deshalb weiß ich es nicht so genau. Ich glaube jedoch, dass es immer ein Problem ist, wenn man die Kulturen wechselt, weil vieles für einen Fremd ist und man eben manches nicht nachvollziehen kann und somit vielleicht auch falsch interpretiert.
    Pauschalisierungen sind selbstverständlich niemals gerecht. Manchmal sind sie auch beleidigend, aber ich kann es häufig nachvollziehen und letztlich macht dies auch jeder, denn so manche Menschengruppen zeichnen sich durch gewisse Verhaltensweisen aus, auch wenn diese Verhaltensweisen nicht von allen Mitgliedern dieser Menschengruppe auch so gelebt werden.

    Man könnte auch umgekehrt sagen: Wer als Schaf mit den Wölfen heult braucht sich nicht wundern, wenn er für einen Wolf gehalten wird.

    Ich denke, wenn jemandem solches widerfährt, ist es nicht einfach nicht zu pauschalisieren.
    Mal sehen, vielleicht nehme ich mir das buch mal zur Brust, wobei ich, seit ich selbst Mutter bin, vieles nicht mehr ertragen kann wenn es um Leid von Kindern geht.

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    1. du hast bestimmt recht. weil ich speziell von diesem land auch viele gegeteilige beispiele kenne, musste ich dies loswerden, aber jede medaille hat zwei seiten...
      das leid des kindes kommt kaum zum tragen, vielmehr der kampf der mutter, die ihr kind nicht verlieren möchte.
      liebe grüsse re

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