04.07.2013

emanzipation vs. tradition...

... oder ein heilloses definitionsschlamassel.

was mir gestern wieder mal extremst bewusst wurde, als ich die kommentare zu diesem post bei mangoblüte gelesen habe. es ging um eine speisekarte für ladies, ohne preise, worauf empörung aufstieg und das wort emanzipation ins feld geführt wurde. das eine hat mit dem anderen aber so gut wie gar nichts zu tun...




mein lieber papa stammt aus einer anderen zeit, ist er doch ziemlich genau ein halbes jahrhundert älter als ich. als er jung war, drehte sich die welt bestimmt genau so wie heute, gewisse dinge wurden jedoch anders gehandhabt:

... man buhlte um die gunst der liebsten und brachte ihr grundsätzlich etwas mit, wenn man sie abholte
... hielt ihr die tür auf, wenn man ein lokal betrat
... half ihr in den mantel, wenn sie ihn anziehen wollte
... im restaurant reichte man der dame teilweise eine karte ohne preise, da sie einfach nach gutdünken und nicht nach preis entscheiden sollte
... allenfalls bestellte man sogar für sie, um sie zu beeindrucken und charmant zu sein
... und beglich die rechnung, um ihr zu zeigen, dass man durchaus in der lage sein würde, sie auch in zukunft zu ernähren
diese liste liesse sich bestimmt noch endlos erweitern...

mein papa hat also seit ich denken kann die rechnungen für meine mutter, mich (und grundsätzlich alle anderen gäste) bezahlt.
er steht heute noch auf, wenn ich den tisch verlasse und steht auch auf, wenn ich wieder dazu komme. er hält mir immer die tür auf.
er bringt mir etwas kleines mit, wenn wir ihn zum essen einladen.
und schreibt mir zu sämtlichen feiertagen eine karte.
er hilft mir in den mantel, wenn es mein verrückter kerl nicht schnell genug macht.
und bezahlt meinen kaffee, wenn ich nicht darauf bestehe ihn einzuladen...
auch diese liste liesse sich bestimmt noch endlos erweitern...

das alles hat in meinen augen nichts, aber rein gar nichts mit dem thema emanzipation zu tun. im gegenteil: dem grössten teil der herrenwelt, so auch meinem papa, war gewiss bereits damals klar, dass eine frau normalerweise ganz alleine in der lage ist eine tür aufzuhalten, sie selbst in ihren mantel kommt, fähig ist im restaurant eine bestellung aufzugeben etc. etc.
ich habe ihm bestimmt tausendfach zu erklären versucht, dass es nicht nötig ist (beispielsweise bei uns zuhause, wo ich gastgeberin bin und zigfach aufstehe) dauernd aufzustehen, wenn ich den tisch für 10 sekunden verlasse, aber er lässt sich nicht davon abbringen, weil er mir unter anderem damit respekt zeigt und mich wertschätzt. und weil er nun mal nicht anders will.
ich eigentlich auch nicht. schliesslich bin ich doch daran gewöhnt, finde diese geste aufmerksam und stehe doch tatsächlich auf männer mit manieren.

eine speisekarte ohne preise ist nicht anders zu betrachten als ein geschenk, das man macht: da entfernen wir die preise ja auch, ehe wir verpacken und verschenken. wieso also nicht die preise bei der speisekarte weglassen, wenn jemand eingeladen wird? es ist meiner ansicht nach auch völlig unangebracht jemanden einzuladen und am ende die rechnung laut zu kommentieren, so im sinne von "deine auswahl hat im fall so und so viel gekostet..." auch das ist eine frage des anstandes, kein gleichberechtigungs-thema.

des weiteren finde ich es auch wunderbar, von meinem verrückten kerl ausgeführt zu werden, ohne die rechnung mit ihm teilen zu müssen, nur um zu beweisen, dass ich nicht abhängig von ihm bin. mein liebster kennt meinen lohn, weiss, was ich beruflich leiste und dass ich finanziell nicht auf ihn angewiesen bin und hat bestimmt schon gemerkt, dass ich einen ganz eigenen kopf habe, den ich notfalls durch betonwände donnere. ich muss also weder ihm, noch sonst jemandem auf dieser welt immer und überall beweisen, ob und inwiefern ich unabhängig, bzw. gleich stark bin wie er oder sonst jemand auf erden.
manchmal führe ja auch ich ihn aus, organisiere und bezahle. manchmal eben nicht.
und das ist emanzipation.

und noch so am rande: ich hätte es ehrlich gesagt mehr als nur ein wenig schräg gefunden, wenn er unsere erste rechnung, womöglich noch auf den cent genau, mit mir geteilt hätte - nicht, weil ich meinen teil nicht hätte bezahlen können, sondern weil ich dies per se äusserst unsexy gefunden hätte.

und heute worte von marcello mastroianni:

"der ganze emanzipationsrummel hat nichts daran geändert, dass frauen sich schön machen, um männern zu gefallen."

nicht nur. aber auch.

herzlich re

ps: ... der mit dem hut... <3

Kommentare:

  1. DAS unterschreibe ich zu 100% :) Ein toller post. Ich habe schon oft über das Thema nachgedacht, aber gerade weil man von irgendeiner Nase immer das Emanzipations-Argument an den Kopf geworfen kriegt, habe ich mich dazu noch nie allzu deutlich geäußert. Dennoch habe ich meine Meinung, die deiner nahezu deckungsgleich entspricht. Ein Gentleman hat noch keine Lady untergraben.

    Ich bin wirklich froh, dass Marc ein vollendeter Gentleman ist, egal wie antiquiert mancher den Begriff nun finden mag. Was man selber gibt kehrt ohnehin tausendfach zurück.

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    1. das freut mich sehr und ja, das thema scheint nach wie vor heikel...

      kann ich vollkommen nachvollziehen, bin auch froh, dass mein verrückter kerl der perfekte gentleman für mich ist und ich denke, wir ergänzen uns ganz gut...

      herzlich re

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  2. sic!

    mehr gibt es hier nicht zu sagen...

    Außer dass es mich nervös machen würde, wenn jemand ständig aufsteht, wenn ich zuhause den Tisch verlasse. Aber auch hier gilt: Jedem Tierchen und so;-)

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    1. ... was mich ausgesprochen freut...

      und ja, das tut es irgendwie auch, weshalb ich ihm das ja gern abgewöhnt hätte. mittlerweile fällt es mir jedoch weniger auf als "fremden", die dann teilweise recht verdattert da sitzen...

      liebe grüsse re

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  3. Ich habe mich auch erst schwer daran gewöhnen müssen, das der Mann an meiner Seite bezahlt ... und nicht begeistert ist, wenn ich fast einen Streit deswegen anfange. Er ist eben auch ein Gentleman der alten schule und so langsam fange ich an, das zu schätzen. Manchmal muss Frau sich einfach ein wenig hofieren lassen.

    Emanzipation hin oder her.
    Irgendwie sollten wir alle mal eine Königin sein.

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    1. ja, manchmal dürfen wir königinnen sein - dafür geben wir ja bestimmt auch das ein' oder andere auf die ein' oder andere weise zurück...

      herzlich re

      ps: dein post ist toll!

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  4. Das ist wunderbar geschrieben und es ist richtig so, genau so! Mein Chef ist nicht anders als Dein Vater, und ich finde es sehr schön, auch nach so vielen Jahren noch.Stets war er ein Gentleman, und nicht nur in der Öffentlichkeit. Er hält mir z.B. auch zu Hause die Tür auf. Das alles hat nichts, aber auch gar nichts, mit Emanzipation zu tun, sondern mit Kultur. Liebe Grüße!

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    1. vielen lieben dank!
      - und ganz deiner meinung...

      liebe grüsse re

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  5. ...ich werde mich sicher nicht mehr ändern. Ich habe mehr Falten als früher, das sind Zeichen von einem langen Leben, aber glücklicher Weise bin ich geistig frisch und im Herzen jung und nach wie vor und in jeder Hinsicht ein Gourmet geblieben...
    Dein stolzer Papa

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    1. und das ist auch gut so..!

      ♡♡♡

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  6. Ein grosses Bravo für diesen tollen Text! Du sprichst mir zu 100% aus dem Herzen. Ich habe auch einen Liebsten der ein wahrer Gentleman ist. Und ich finde das schön so!

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    1. herzlichen dank und das freut mich für dich!
      herzlich re

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  7. Stimme auch zu! Mein Liebster ist zum Glück auch "alte Schule", auch wenn sogar ich ab und zu die Rechnung für uns Beide bezahle..

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    1. das mach' ich auch, und ich denke, dass das der punkt ist.
      so oder so "alte schule" hat schon was... sehr.
      herzlich re

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  8. Darf ich mal klug scheißern?
    Leute die extremst schreiben nerven mich extrem da sie die deutsche Sprache verhunzen.
    Winke winke an die Frau Lehrerin ;-)

    PS und schon hab ich den Klugscheissermodus wieder auf off gestellt.

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    1. du darfst! ;-) genau das hat mein liebster übrigens auch gesagt. da ich das aber dauernd sage, müsst ihr leider damit leben...
      dicke umarmung

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  9. PS Das Blogpost ist BOMBE
    du sprichst mir aus dem Herzen
    und
    ich beneide Dich um Deinen tollen Papa.

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    1. das freut mich und vielen lieben dank!
      gute nacht und herzliche grüsse

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